Darf eine Frau einen Staat führen?

Darf eine Frau einen Staat führen?

Es gibt keinen Vers im Koran, der verbietet, dass eine Frau einen Staat führen kann. Der Koran empfiehlt ganz im Gegenteil “anvertraute Güter an jene zu übergeben, die es würdig sind.” (an-Nisa 4:58) Natürlich sind auch die Frauen hierfür würdig. Ohnehin ist der Vorrang bei Allah nicht das Geschlecht oder etwas anderes, sondern Taqwa (Verantwortlichkeits-Bewusstsein und Ehrfürchtigkeit gegenüber Allah) (Al-Hudschurát 49:13). Der Koran erwähnt mit Lob die Führung der Königin (Bilqis) des Volkes Sheba (an-Naml 27:22-37). Nach dem Koran hat die Frau Recht auf Welayah/Autorität (at-Taubah 9:71), Bay’ah/Treueschwur (al-Mumtahanah 60:12) und Schura/Beratung (Al Imran 3:159; asch-Schura [42] 38).

Leider behauptet die sunnitische Tradition, dass Frauen nicht führen dürfen. Dafür wird ein Hadith benutzt: “Ein Volk, das die Führung des Staates einer Frau übergibt, wird niemals gedeien.” Dieses Wort wurde von Abu Bakrah während des Dschamal-Kriegs erfunden und nur von ihm übertragen (Ahad Hadith). Wie wenig vertrauenswürdig dessen Urteil ist, wird dadurch ersichtlich, dass Abu Bakrah bestraft und sein Zeugnis für immer abgewehrt wurde, weil er den Gouverneur Mughira ibn Schu’ba durch den Vorwurf des Ehebruchs (Zina) verleumdet hatte und es nicht beweisen konnte (Bukhari, Schahada 8; az-Zahabi, Siyer Alamin-Nubela, Beirut 1402/1982, III, 7-8). Ohnedies führen Frauen, im Widerspruch zu diesem Hadith, in der Geschichte und Gegenwart mit Erfolg ihre Staaten oder Unternehmen

Daher kann im Koran nicht geschrieben sein, dass Frauen nicht führen dürften, weil Führungsfähigkeit keine Angelegenheit des Geschlechts, sondern der persönlichen Würdigkeit bedeutet.

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